Brasilien: Gesundheit für alle und Unternehmensverantwortung


30.04.2014
Uwe Kekeritz auf Delegationsreise mit dem Unterausschuss „Gesundheit in Entwicklungsländern“

Lateinamerika: Ein Kontinent, der politisch und wirtschaftlich im ständigen Umbruch ist. Besonders Brasilien erlebte rasenden Fortschritt und ist mittlerweile die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Allerdings bleibt eine große Kluft zwischen Arm und Reich. Die Politik hat darauf reagiert: Die Gesundheitsversorgung wurde verbessert und soll nun alle Gesellschaftsschichten erreichen. Grund genug für den Unterausschuss „Gesundheit in Entwicklungsländern“, dem Uwe Kekeritz vorsteht, sich vor Ort über die Erfolge zu informieren.

Gesundheit für JedeN
Die Delegation besuchte unter anderem Programme für soziale Entwicklung, Gesundheitsstationen, führte Gespräche mit der nationalen Behörde für Gesundheitsüberwachung (ANVISA) zum Thema Patentrecht in Brasilien, traf den Gesundheitsminister Alexandre Padilha sowie den Parlamentsausschuss „Soziale Sicherheit und Familie“.

Das Fazit von Uwe Kekeritz: „Die Aufnahme des Rechts für die Gesundheit in die Verfassung 1988 hat viel bewirkt, vor allem in der Praxis und nicht nur auf dem Papier. So reduzierte sich etwa dramatisch die Anzahl der Säuglingssterbefälle im Zeitraum zwischen 1990 und 2011  um 67,5 Prozent.“

Gesetze und gute Absichten müssen immer auch verwirklicht werden: In Brasilien wurde dies mit einem dezentralen Ansatz geschafft. Eine große Rolle spielt neben der Einführung eines öffentlichen Gesundheitssystems mit universellem Zugang auch die „Familiengesundheitsstrategie“, die für eine bestimmte Anzahl an Haushalten Teams aus ÄrztInnen, Krankenschwestern/-pflegern und GesundheitsarbeiterInnen aus der Nachbarschaft (ACS) vorsieht.

Auf diese Weise entsteht Vertrauen in das Gesundheitspersonal. Allerdings ist eine völlige Gleichstellung noch lange nicht erreicht: Die Umverteilung, um die große soziale Spaltung im Land zu mindern, bleibt weiterhin eine große Herausforderung. Mehr >>>

Brasilien Biodiversität im Dienste der Gesundheit
Brasilien verfügt über eine weltweit einzigartige Tier- und Pflanzenarten. Daher spielen in der Zusammenarbeit zwischen Brasilien und Deutschland insbesondere der Schutz und die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen eine besondere Rolle.

Vor diesem Hintergrund besuchte die Delegation im Nordosten des Landes u.a. Jaborandi-Vorkommen in der Siedlung Brasileira/Porto und führte Gespräche mit Vertretern der Sammlergemeinden. Vor dem Hintergrund, dass 80 Prozent der Weltbevölkerung im Rahmen der Gesundheitsversorgung von Heilpflanzen abhängen, ist die nachhaltige Nutzung von Heilpflanzen eine Herausforderung.

Umweltsünder Thyssen-Krupp
Auf dem Programm der Brasilienreise stand auch der Besuch von Thyssen-Krupp in Santa Cruz (Rio). Thyssen-Krupp hat nicht nur aufgrund von Verlusten in Milliarden Höhe Schlagzeilen gemacht, die zum Großteil auf Fehlinvestitionen in Brasilien zurückgehen, sondern auch wegen der Proteste der AnwohnerInnen vor Ort in Rio de Janeiro. Dort hat Thyssen-Krupp 2010 ein neues Werk auf einem ehemaligen Mangrovengebiet eröffnet.

Immer wieder regnete es Staub, die BewohnerInnen nennen ihn Silberregen. Thyssen-Krupp blieb nur übrig zu betonen, dass dieser nicht gesundheitsgefährdend sei. Es handle sich schließlich nur um Graphit. Dieser Graphit verschmutzt nicht nur die Böden, Gärten und Häuser sondern gelangt vor allem auch direkt in den menschlichen Körper. Die Menschen klagen über Hautausschläge, Atemwegerkrankungen und andere körperliche Beschwerden.

Im Gespräch mit den Betroffenen erfuhr die Delegation von den ansässigen FischerInnen, vom starken Rückgang der Fischbestände. Für viele FischerInnen bedeutete dies das Ende ihrer Einkommensgrundlage. Früher konnten sie von ihrer Arbeit leben, heute wäre die Fischausbeute höchstens noch 20 Prozent der ursprünglichen Menge. Über 2500 FischerInnen haben ehemals ihr Einkommen davon erzielt.

Uwe Kekeritz betonte, dass man zwar nicht in das Rechtssystem eines anderen Landes intervenieren könne aber weil Thyssen-Krupp eine deutsche Firma, werde man in Deutschland Öffentlichkeitsarbeit machen, Thyssen-Krupp zur Rede stellen, bei der Regierung nach Sanktionsmöglichkeiten fragen.

Weiter sagte Kekeritz, dass man auch Klagemöglichkeit in Deutschland gegen Thyssen-Krupp überprüfen werde. „Das zeigt einmal mehr, dass wir mit unserer Forderung nach der weltweiten Verantwortung deutscher Unternehmen absolut richtig stehen. Ich werde mich politisch weiterhin für umfassende Transparenzpflichten und eine ethische Verantwortung von Unternehmen auch außerhalb Deutschlands einsetzen“, so der Abgeordnete.