Betriebe müssen ihre Verantwortung wahrnehmen!


23.07.2013
Bei seiner Reise in Bangladesch besuchte Uwe Kekeritz auch den Unglückstandort der "Rana Plaza" Fabrik in Dhaka. Deren Einsturz forderte über 1000 Menschenleben.

Zusammen mit MdB Renate Künast besuchte Uwe Kekeritz Mitte Juli verschiedene Textilfabriken in Bangladesch. In Dhaka erfuhren sie, wie sich letztlich der tragische Unfall vom 24. April 2013 ereignet hatte.

1000 Menschen hätten nicht sterben müssen

Erst wurde das Gebäude illegal um zwei Stockwerke erhöht. Es wurden außerdem zwei extrem schwere Generatoren nach oben befördert, die automatisch immer bei Stromausfall ansprangen, was sehr häufig in Dhaka ist.

Die starken Vibrationen der Generatoren brachten das Haus zum Einsturz. Bereits wenige Tage vor dem Einsturz hatte das Gebäude erhebliche Risse gezeigt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter wollten nicht mehr in das Gebäude, wurden aber dazu gezwungen. Das Unglück forderte über 1000 Todesfälle, sowie 2500 verletzte, verstümmelte oder schwer traumatisierte Menschen.

Verantwortung von Unternehmen

„Es macht mich zornig, dass internationale Betriebe trotz dieser Unglücke ihre Mitverantwortung immer noch leugnen“, so Kekeritz.

Auch in Bangladesch zeigt sich: Das internationale Wirtschaftssystem funktioniert so nicht mehr. International agierende Unternehmen haben enormen Einfluss auf Entwicklungs- und Schwellenländer. Und dort werden die wichtigen Fragen nicht gestellt: Wie viele Menschen werden zu welchen sozialen Bedingungen beschäftigt, wie ist die Arbeitssicherheit zu bewerten und wie werden ökologische Belange berücksichtigt? Fragen, die in Deutschland selbstverständlich sind, in Entwicklungsländer aber als Standortvorteil interpretiert werden.

Textilindustrie in Bangladesch

In Bangladesch, einem der ärmsten Länder der Welt, ist die Situation besonders dramatisch. Im Textilbereich werden riesige Gewinne eingefahren, auch deshalb weil die Menschen dort extrem billig zu haben sind und ihre Abhängigkeit selbst von den schlechtesten Jobs sehr groß ist. Damit sind menschenunwürdige Arbeitsbedingungen leider vorprogrammiert.

Oftmals sind die Arbeiterinnen und Arbeiter einem absoluten Drill unterworfen, sie arbeiten 10 bis 14 Stunden täglich bei einer 6-Tage-Woche und erhalten dafür einen bescheidenen Lohn. Von über 5000 Textilfabriken sind nur ca. 10 Prozent in einem Dachverband gebündelt. Der Dachverband hat für verbesserte Bedingungen gesorgt: Allerdings sind die Lohnverhältnisse noch immer nicht akzeptabel. Die Menschen können mit ihrer Arbeit in den Fabriken ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren.

Offenlegungspflichten sind überfällig

Die einzige Lösung für dieses Problem ist Transparenz: Was zahlt ein Unternehmen für ein bestimmtes Vorhaben oder Projekt, welche Steuern, Gebühren und Sozialabgaben? Und im Gegenzug muss klar sein, welche Einnahmen dieses Unternehmen aus einem bestimmten Projekt erlangt. Gern wird die Korruption in vielen Ländern kritisiert, dabei aber übersehen, dass diese durch Intransparenz privater Unternehmen und staatlicher Aktivitäten stark begünstigt wird. Zudem lassen wir globale Finanzströme unkontrolliert zu, die nicht nur die Entwicklungsländer schädigen, sondern auch heute in den Industrienationen zu Sozialabbau und zu Kürzungen im Staatshaushalt einerseits und gigantischem Reichtum andererseits hier und in den ärmsten Ländern führen.

Privates Engagement

Privates Engagement und gesamtgesellschaftliche Entwicklung müssen parallel laufen. Entwicklungspolitik kann erst dann wirksam werden, wenn wir hier bei uns in Deutschland, in Europa und in den anderen Industrienationen die Verhältnisse verändern. Auch der/die KonsumentIn dürfen sich Ihrer Verantwortung nicht entziehen.

Effektive Entwicklungszusammenarbeit

Uwe Kekeritz setzt sich seit langem mit den Produktionsbedingungen international agierender Unternehmen auseinander. Hintergrund ist eine Analyse über die Wirksamkeit der heutigen Entwicklungspolitik, die leider nicht so erfolgreich ist, wie es aufgrund der großen Summen und der Langjährigkeit der Unterstützung von Entwicklungsländern zu erwarten wäre.

Merkel blockiert

Um die Entwicklungszusammenarbeit zu verbessern, beschäftigt sich Uwe Kekeritz mit den Internationalen Strukturen. „Diese müssen weltweit transparenter, menschenrechtsbasiert und nachhaltig gestaltet werden“, ist Kekeritz überzeugt. Diese Meinung vertritt inzwischen auch die EU-Ebene, OECD und VN. Einzig die Regierung Merkel versucht seit Jahren jegliche Transparenz im Bereich der international agierenden Unternehmen zu blockieren. Jahrelang ist es ihr gelungen, auf EU-Ebene eine positive Entwicklung diesbezüglich zu verhindern. Inzwischen hat sich Deutschland völlig isoliert und musste nach über dreijährigem, harten Wiederstand EU-weite Richtlinien zur Offenlegung und Transparenz im Rohstoffbereich akzeptieren. Aber es kann nicht sein, dass nur im Rohstoffbereich Transparenz durchgesetzt wird.

Die EU wird die Transparenzrichtlinien auf alle Sektoren (Textil, Dienstleistung, IT-Bereich, industrielle Produktion, Tourismus usw) ausweiten. Es stellt sich einzig die Frage, wie lange der Widerstand der Regierung Merkel dies hinauszögern kann. Verhindern wird sie es nicht können.