Beschneidung: Kinder sollen mitentscheiden


13.11.2012
Zusammen mit Katja Dörner (Grüne) und Abgeordneten aus anderen Fraktion unterstützt Uwe Kekeritz einen Gesetzesentwurf für die bessere Berücksichtigung des Kindeswohls bei der Beschneidung.

Die Bundesregierung möchte die Beschneidung von Säuglingen grundsätzlich erlauben. Kekeritz hatte schon zu Beginn der Debatte über die Praxis eine andere Meinung: „Tradition und Religion dürfen nicht über dem Kindeswohl stehen“, ist er überzeugt.

Nach Monaten der Diskussion gibt es nun einen Gegenentwurf zur Bundesregierung: Marlene Rupprecht, SPD-Bundestagsabgeordnete ebenfalls aus dem Wahlkreis Fürth-Neustadt/Aisch, hat zusammen mit der grünen Kinderrechtsexpertin Katja Dörner einen Vorschlag vorgelegt. Zusammen mit anderen ParlamentarierInnen von SPD, Grünen sowie der Linken fordern sie, dass Eltern die Einwilligung zur Beschneidung nur erlaubt wird, wenn der Sohn mindestens 14 Jahre alt ist und somit bei der Entscheidung mitreden kann.

„Die freie Ausübung der Religion darf nicht unverhältnismäßig beeinträchtigt werden. Jedoch halten wir bei einem so schwerwiegenden und irreversiblen Eingriff wie der Beschneidung die Meinung des Kindes für wichtig. Erst ab einem gewissen Alter können Jungen sich bewußt entscheiden“, so Kekeritz.

Für Kekeritz hat auch die Debatte um die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) bei seiner Entscheidung eine wichtige Rolle gespielt. Der Experte für Gesundheit in Entwicklungsländern sieht die Gefahr, dass religiöse Autoritäten oder andere RepräsentantInnen mit Verweis auf die männliche Beschneidung auch die weibliche Genitalverstümmelung rechtfertigen.

Stimmen in diese Richtung gibt es bereits: Mohamed Kandeel, Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität in Menofiya, Ägypten, und darüber hinaus Mitglied der Genfer Stiftung für Medizinische Ausbildung und Forschung, fordert eine weltweite Legalisierung bestimmter Formen weiblicher Genitalverstümmelung. Kandeel führt dazu aus, negative Folgen für die betroffenen Frauen seien nicht nachweisbar – es sei deswegen nicht einzusehen, dass die Beschneidung von Jungen erlaubt sein soll und die von Mädchen dagegen weltweit geächtet.

Kekeritz will diese gefährlichen Schlussfolgerungen nicht weiter befördern, sondern den erfolgreichen Kampf für die Unversehrtheit von Kindern fortsetzen. „Die Rechte der Kinder müssen im Mittelpunkt stehen“, ist sein Fazit.

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