Berlinfahrt: Die Eine Welt gestalten


11.04.2014
Vor allem aus Unterfranken hatte Uwe Kekeritz Eine-Welt-Engagierte, Grüne und andere Interessierte nach Berlin eingeladen. Unter dem Titel „Die Eine Welt gestalten“ standen Gespräche mit Ärzte ohne Grenzen, der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, Engagement Global, der GIZ, eine Diskussion mit Uwe Kekeritz sowie der Besuch einer Plenarsitzung auf dem Programm.

Frage von Leben und Tod darf keine Frage des Geldbeutels sein
Humanitär und politisch agieren die Ärzte ohne Grenzen. So behandelt die Organisation derzeit weltweit 280.000 HIV/Aids-PatientInnen mit anti-retroviralen Medikamenten. Gleichzeitig setzen sich Ärzte ohne Grenzen mit ihrer Medikamentenkampagne für einen besseren Zugang zu Medikamenten ein.

Meike Schwarz und Philipp Frisch erläuterten, dass Millionen Menschen jährlich an behandelbaren Krankheiten sterben. Weil sie sich die lebensnotwendigen Medikamente nicht leisten können oder weil es keine wirksamen Arzneimittel gibt. Darum macht Ärzte ohne Grenzen Druck auf die Verantwortlichen in Forschung, Politik und Industrie, dringend benötigte Medikamente in ärmeren Ländern zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen und neue Arzneimittel, Impfstoffe und Diagnostika zu erforschen.

Im Bereich der so genannten „vernachlässigten Krankheiten“ fordert Ärzte ohne Grenzen Forschungsanreize, beispielsweise aus öffentlichen Mitteln, damit die Firmen jenseits der Hoffnung auf große Profite beim Verkauf von Medikamenten in die Forschung investieren. Doch schon jetzt findet Pharmaforschung nie vollständig in den Firmen statt und wird öffentlich gefördert.

Prävention stärken
Um Vorbeugung kümmert sich die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), die Frauke Wiprich und Leonie Osthues präsentierten. Vor allem Jugendlichen will die DSW Zugang zu Aufklärung und zu freiwilliger Familienplanung ermöglichen.

Gegenwärtig leben 1,2 Milliarden Menschen zwischen 15 und 24 auf der Erde, die größte Jugendgeneration aller Zeiten, 90 Prozent davon in Entwicklungsländern. Leider wissen sie nur sehr wenig über HIV-Prävention und so sind ein Drittel aller HIV-Neuinfizierten zwischen 15 und 24 Jahre alt. Auch werden jedes Jahr sieben Millionen Frauen zwischen 15 und 19 ungewollt schwanger, weil sie keinen oder kaum Zugang zu modernen Verhütungsmitteln haben.

Mit Aufklärungsprogrammen, die unmittelbar vor Ort in den Entwicklungsländern designet werden will die DSW dies ändern. In Uganda und Kenia fangen die Aufklärungsprojekte an 19 Grundschulen schon bei den zehn bis 14 Jährigen an. Und das mit Erfolg: Wussten zu Beginn des Projektes in Uganda erst 25 Prozent über HIV und Aids bescheid, sind es schließlich 90 Prozent der SchülerInnen.

Aufklärung von Jugendlichen für Jugendliche steht im Zentrum der Youth-to-Youth-Aufklärungskampagne. In einem Netzwerk von etwa 400 Jugendclubs in Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda gestalten jugendliche eigenverantwortlich Aufklärung. Dadurch verbessern sie den verantwortungsvollen und selbstbestimmten Umgang von Jugendlichen mit sexueller und reproduktiver Gesundheit.

Alle Macht den Konzernen? Nein Danke!
„Chlor-Hühnchen und Gen-Mais wollen wir in Europa nicht auf unseren Tellern,“ stellte Uwe Kekeritz bei der Diskussion mit der Besuchergruppe fest. „Doch genau das blüht uns mit dem geplanten EU-USA-Freihandelsabkommen, TTIP.“

„Generell bedroht TTIP unseren demokratischen Rechtsstaat sowie unsere hohen Sozial- und Umweltstandards. Deshalb muss unser Protest dagegen noch lauter werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass die großen Konzerne, Lobbyisten und Regierungen in geheimen Verhandlungen darüber entscheiden, wie unsere Zukunft aussieht“, so Kekeritz. Weiter forderte der Abgeordnete, dass die Europawahl zur Abstimmung über das Freihandelsabkommen werden müssen, zumal das Europäisches Parlament TTIP ablehnen und stoppen kann.

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU betrifft rund 800 Millionen Menschen. Aber von den völlig intransparenten Verhandlungen bleiben die europäische und die US-amerikanische Öffentlichkeit ausgeschlossen. „Selbst wir Bundestagsabgeordneten bekommen nur schlecht eingescannte Textfragmente, die teilweise unleserlich sind,“ kritisiert Uwe Kekeritz.

Dem von den TTIP-BefürworterInnen versprochenen Wirtschaftswachstum steht der prognostizierte Verlust von weltweit 240.000 Jobs gegenüber. Die großen Profiteure des Abkommens sind also nicht die ArbeitnehmerInnen, sondern multinational agierende Unternehmen. Sie könnten mit TTIP sehr gut leben: Durch Investitionsschutz, geheime Schiedsverfahren und die Angleichung von Standards hoffen sie, milliardenschwere Gewinne einzufahren.

„Wollen wir für dieses Handelsabkommen, das nur die großen Konzerne begünstig, unsere hohen ökologischen und sozialen Standards preisgeben? Und können wir akzeptieren, dass unser Rechtssystem durch die Schaffung von parallelen Rechtsstrukturen ausgehebelt wird?“, fragt Kekeritz. „Nein, das wollen wir nicht,“ waren sich die TeilnehmerInnen einig.

Engagement Global: Gemeinsam mehr bewegen
Mit Information, Beratung, finanzieller Förderung, Weiterbildung und Netzwerken unterstützt Engagement Global die entwicklungspolitische Arbeit in Deutschland. Die verschiedenen Programme und Services richten sich zum Beispiel an SchülerInnen und Schulklassen, StudentInnen, Berufstätige, Berufserfahren, Länder und Kommunen aber auch andere Organisationen und Institutionen.

So fördert das ENSA-Programm den Schüleraustausch, während ASA Stipendien an Studierende und junge Berufstätige vergibt, die schließlich in deutschlandweiten oder internationalen Projekten arbeiten. Städte und Gemeinden berät die „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“, um das lokale Engagement für fairen Handel zu fördern. Dazu richtet die Servicestelle auch jährlich den Wettbewerb „Hauptstadt des fairen Handels“ aus.

Zusammen mit dem ASA-Programm hat die Servicestelle das Pilotprojekt ASA-Kommunal gestartet. Dieses soll die kommunale Partnerschaftsarbeit inhaltlich und personell unterstützen. Beim Basisprogramm arbeiten zwei TeilnehmerInnen aus Deutschland drei Monate bei einem Projekt der kommunalen Entwicklungspolitik mit, wie zum Beispiel Abfallmanagement, Klimapartnerschaft oder Bürgerhaushalt. Je zwei TeilnehmerInnen aus Deutschland und aus der Partnerkommune arbeiten beim Süd-Nord-Programm drei Monate in Deutschland und drei Monate in der Partnerkommune als Team zusammen.

Dabei unterstützt das ASA-Programm inhaltlich-pädagogisch, finanziell und durch Netzwerkarbeit. Ihrerseits arbeiten die Kommunen mit ihren Partnerkommunen einen Projektvorschlaf aus, werben BewerberInnen an und wählen mit aus. Außerdem geben sie vor der Ausreise Einblicke in ihre entwicklungspolitischen Arbeitsansätze. Beim Süd-Nord-Programm müssen die deutschen Kommunen zudem 2000 Euro pro Süd-TeilnehmerIn beisteuern.

Die GIZ – der große Tanker der Entwicklungszusammenarbeit
16000 Beschäftigte in 130 Ländern, davon über 11100 nationales Personal und über 3100 MitarbeiterInnen in Deutschland, das ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Sie ist aus den staatlichen Durchführungsorganisationen GTZ, DED und InWEnt hervorgegangen und 100 Prozent im Bundeseigentum. Die Gesellschaft wird im Auftrag tätig und unterstützt die Bundesregierung beim Erreichen ihrer entwicklungspolitischen Ziele.

Die Fusion hat den Fokus der GIZ von der Entwicklungszusammenarbeit zur internationalen Zusammenarbeit erweitert. Das heißt auch andere Bundesministerien sowie andere Institutionen wie die EU, Partnerregierungen aber auch Wirtschaft und zivilgesellschaft können die GIZ fortan beauftragen.

Um zu garantieren, dass die Projekte effizient, wirksam, partnerorientiert und nachhaltig laufen, hat die GIZ ein internes Auftragsmanagement etabliert, bei dem unter anderem vor Ort genau ermittelt wird, was wie zu tun ist.



Weiterführende Links:


http://www.weltbevoelkerung.de/start.html
https://www.engagement-global.de/asa-programm.html
https://www.giz.de/de/mit_der_giz_arbeiten/unsere_referenzen.html