Antrag: Weltagrarbericht jetzt unterzeichnen


02.04.2014
Uwe Kekeritz und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordern die Bundesregierung auf, den Weltagrarbericht des Weltagrarrates von 2008 zu unterzeichnen.

Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind 842 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Jedes Jahr sterben mehr Menschen an den Folgen von Hunger und Unterernährung als an HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Gleichzeitig leiden über 2 Milliarden Menschen an dem sogenannten verborgenen Hunger, der chronischen Mangelversorgung mit lebenswichtigen Mikronährstoffen, weil sie zwar eine theoretisch ausreichende Menge an Kalorien aufnehmen, ihre Ernährung aber zu einseitig auf wenige Grundnahrungsmittel ausgerichtet ist. Diese Kombination aus Mangel- und Fehlernährung in der Kindheit führt zu lebenslangen geistigen und körperlichen Einschränkungen.

Vor diesem Hintergrund und mit dem Ziel, insbesondere Hunger und Armut zu reduzieren, berief die Weltbank zusammen mit den Vereinten Nationen den Weltagrarrat. Dieser initiierte einen internationalen mehrjährigen Prozess mit über 900 Teilnehmern und 110 Ländern, der 2008 in der Verabschiedung des Weltagrarberichts (Agriculture at a Crossroads) mündete. Der Bericht, der bisher von 58 Staaten aus aller Welt unterzeichnet wurde, fordert eine grundsätzliche Neuausrichtung von Agrarpolitik und Agrarforschung, welche die überragende Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft für die Bekämpfung des Hungers anerkennt. Die Erkenntnisse des Weltagrarberichts werden auch durch die Empfehlungen des Büros für Technikfolgenabschätzung im TAB-Arbeitsbericht Nr. 142 „Forschung zur Lösung des Welternährungsproblems“ unterstützt.

Deutschland hat bis dato den Bericht nicht unterzeichnet und sich damit diesem international herausragenden Prozess verweigert. Gleichzeitig postuliert der Bundesminister Dr. Gerd Müller den Kampf gegen Hunger und die nachhaltige ländliche Entwicklung als den Schwerpunkt seiner Entwicklungspolitik. Die Vereinten Nationen haben 2014 zum Jahr der bäuerlichen Landwirtschaft erklärt und den Deutschen Gerd Sonnleitner zum Sonderbotschafter für bäuerliche Landwirtschaft ernannt. Der Deutsche Bundestag fordert von der Bundesregierung ein deutliches Zeichen, dass sie es ernst meint mit diesen Versprechen indem sie den Weltagrarbericht anerkennt und diesen umsetzt.



Weiterführende Links:


http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/009/1800979.pdf