Antrag: Verantwortung für die entwicklungspolitische Dimension der EU-Fischereipolitik übernehmen


25.04.2012
Fischfang ist in vielen Entwicklungsländern von zentraler Bedeutung für Ernährungssicherheit, Beschäftigung und Einkommen. Als weltgrößter Importmarkt für Fisch und Fischprodukte hat die EU eine besondere Verantwortung in der globalen Fischerei.

Mehr als 500 Millionen Menschen, die Hälfte davon Frauen, bestreiten ihren Lebensunterhalt von den Einnahmen aus dem Fischereisektor. Fischprodukte sind für viele Entwicklungsländer die wichtigste Exporteinnahmequelle. Aber vor allem für die Ernährungssicherung spielt Fisch eine zentrale Rolle: Für mehr als eine Milliarde Menschen ist er die mit Abstand wichtigste tierische Proteinquelle. Vor allem die Ärmsten der Armen sind von Fisch als Eiweißlieferant abhängig. Eine kohärente Hunger- und Armutsbekämpfungsstrategie muss daher der herausgehobenen Bedeutung des Fischereisektors Rechnung tragen.

Als weltgrößter Importmarkt für Fisch und Fischprodukte hat die EU eine besondere Verantwortung in der globalen Fischerei. Ihre Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) und auch die EU-Handelspolitik haben direkte Auswirkungen auf den Fischereisektor in Entwicklungsländern. Aufgrund des steigenden Fischkonsums und der Überfischung der EU-Gewässer stammt mittlerweile jeder zweite in der EU konsumierte Fisch aus außereuropäischen Fanggründen. Fast die Hälfte der EU-Fischimporte stammt aus Entwicklungsländern; in Deutschland ist es etwa ein Drittel.

Die hochsubventionierte EU- Fangflotte fischt ohne substantiell überprüfbare Fangbeschränkungen vor der Küste Westafrikas. Ein europäischer Supertrawler fängt dabei so viel Fisch pro Tag wie dutzende afrikanische Kleinfischerboote in einem ganzen Jahr. Der gefangene Fisch wird oft schon an Bord der großen Fabrikschiffe verarbeitet und tiefgefroren, wodurch eine Wertschöpfung durch das fischverarbeitende Gewerbe in den Partnerländern kaum noch möglich ist. Hinzu kommt, dass der Fischereisektor in Afrika durchsetzt ist mit Korruption und mafiösen Strukturen, die von europäischen und asiatischen Unternehmen genutzt werden, um sich Vorteile zu verschaffen.

Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Überfischung sind dabei ebenso katastrophal wie die ökologischen.



Weiterführende Links:


http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/093/1709399.pdf