Antrag: Marktversagen beenden, Innovationen fördern – Globaler Forschungsfonds für bessere Gesundheit weltweit


17.05.2017
Weltweit werden immer weniger Wirkstoffe gegen lebensbedrohliche Krankheiten erforscht. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für neue Arzneimittel immer weiter und Millionen von Menschen bleibt der Zugang zu neuen und bezahlbaren Therapien verwehrt. Was lange Zeit als isoliertes Problem der Entwicklungsländer gewertet wurde, entwickelt sich zunehmend zu einer Bedrohung für menschliche Gesundheit weltweit.

Unter dem bestehenden Forschungssystem orientiert sich kommerzielle pharmazeutische Forschung nicht vorrangig an den Gesundheitsbedürfnissen der Patientinnen und Patienten, sondern vielmehr an den größtmöglichen Absatzmöglichkeiten pharmazeutischer
Hersteller. Neue und innovative Wirkstoffe zahlen sich für forschende Unternehmen nur durch Monopolpreise und einen hohen Absatz aus. Krankheiten, die vorwiegend Menschen in Entwicklungsländern bedrohen oder für die keine ausreichenden Gewinnaussichten prognostiziert wurden, bilden keine ausreichenden Anreize.

Durch die einseitige und patentbasierte Anreizsetzung kommt es zu einem weitreichenden Marktversagen. Seit Jahrzehnten fehlen Anreize zur Erforschung dringend benötigter Therapien gegen Krankheiten, die vorwiegend Menschen in Entwicklungsländern bedrohen. Krankheiten wie Leishmaniose, Chagas, aber auch Malaria und Tuberkulose betreffen Millionen von Menschen weltweit, gleichzeitig wird die Entwicklung wirksamer und bezahlbarer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente nicht ausreichend belohnt. Forschungsansätze zu Gesundheitsförderung, Prävention sowie zu sozialen und umweltbedingten Krankheitsursachen werden zu wenig verfolgt und deren Ergebnisse nicht ausreichend berücksichtigt.

Aber auch in wohlhabenden Ländern werden fehlende Forschungsanreize zunehmend zur Bedrohung der öffentlichen Gesundheit. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben allein in der Europäischen Union jährlich circa 25.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit antibiotikaresistenten Erregern. Obwohl
neue Wirkstoffe dringend benötigt werden, wurden seit 1987 keine wesentlichen neuen Antibiotika-Wirkstoffklassen mehr entwickelt. Forschungsanreize fehlen, da der Absatz durch die zeitlich begrenzte Anwendung von Antibiotika nicht ausreichend profitabel ist.

Neben fehlenden Forschungsanreizen führt das bestehende Patentregime zu steigenden Arzneimittelausgaben und bedroht den universellen Zugang zu neuen und innovativen Medikamenten. Viele Menschen in Entwicklungsländern können sich neue und patentgeschützte teure Wirkstoffe nicht leisten. Gleichzeitig führen steigende Medikamentenpreise auch in Deutschland das Gesundheitssystem an die Grenzen der Finanzierbarkeit.

Ein UN-Expertengremium hat im September 2016 einen umfassenden Maßnahmenkatalog vorgelegt. Um die Mängel des bestehenden Forschungssystems zu beheben und Gesundheitsausgaben effizienter an den weltweiten Gesundheitsbedürfnissen auszurichten, müssen die Kosten für Forschung und Entwicklung von Produktpreis und Verkaufsmenge langfristig entkoppelt werden. Dabei sollten insbesondere Gesundheitsgefährdungen in den Fokus genommen werden, bei denen die bestehenden Forschungsanreize nicht ausreichen oder bei denen der Zugang zu Medikamenten, Impfstoffen, Diagnostika und Präventionsstrategien nicht ausreichend sichergestellt ist.
Neue Anreize werden benötigt, damit sich medizinische Forschung stärker in den gesundheitlichen Bedürfnissen der Menschen orientiert. Ein globaler Forschungsfonds könnte Prämien und andere Anreizmechanismen für innovative Forschung bereitstellen, um das bestehende Marktversagen zu beenden. Hersteller könnten im Gegenzug
dazu verpflichtet werden, neue Präparate zum Herstellungspreis verfügbar zu machen, um allen Menschen einen umfassenden Zugang zu ermöglichen.



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