Antrag der Grünen: Weltagrarbericht jetzt unterzeichnen!


10.06.2014
Nichts als warme Worte - die Große Koalition lässt ihren Ankündigungen keine Taten folgen. Der gemeinsame Antrag von Uwe Kekeritz und der Fraktion Bündnis90/Die Grünen zum Weltagrarbericht scheitert unter fadenscheinigen Ausreden im Ausschuss.

„Es ist erkannt worden, dass die bäuerliche und ökologische Landwirtschaft der Schlüssel zur Hungerbekämpfung ist. Die Vereinten Nationen haben 2014 zum Jahr der bäuerlichen Landwirtschaft erklärt. Wir Grünen fordern von der Bundesregierung ein deutliches Zeichen, dass sie es ernst meint mit ihrem Versprechen den Kampf gegen den Hunger zu priorisieren. Dazu gehört es endlich den Weltagrarbericht anzuerkennen und diesen umzusetzen“, so Uwe Kekeritz.

Die große Koalition aus CDU/CSU und SPD stimmten gegen den Antrag. Sachliche Argumente für ihre Ablehnung konnten sie aber nicht vorbringen und schwiegen sich beispielsweise aus, welche der Empfehlungen des Weltagrarberichts sie nicht mittragen können. Gleichzeitig postuliert Bundesminister Gerd Müller den Kampf gegen Hunger und die nachhaltige ländliche Entwicklung als den Schwerpunkt seiner Entwicklungspolitik. Durch die Zustimmung des Antrags hätte die CDU/CSU die Gelegenheit gehabt, den Worten auch die Taten folgen zu lassen.

Auch die SPD, die selbst noch in der letzten Legislaturperiode die Unterzeichnung des Berichts forderte und daran Impulse zur Armutsbekämpfung sah, stimmte dagegen.

Kekeritz kommentierte dies mit den Worten: „Wenn die Große Koalition sich schon den offensichtlichen Erkenntnissen des Weltagrarberichts widersetzt, ist es nicht überraschend, dass ihnen die ernsthafte Einschätzung der Realitäten der globalen Ungerechtigkeit fehlt. Wir laden die Öffentlichkeit ein, mit uns zusammenzuarbeiten, um die Bundesregierung aufzuklären“.

Hintergrund

Mit dem Ziel insbesondere Hunger und Armut zu reduzieren, berief die Weltbank zusammen mit den Vereinten Nationen den Weltagrarrat (International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development) ein. Dieser initiierte einen internationalen mehrjährigen Prozess mit über 900 Teilnehmern und 110 Ländern, der 2008 in der Verabschiedung des Weltagrarberichts (Agriculture at a Crossroads) mündete. Die bis dahin am Prozess beteiligte Firma Syngenta und die Agrarindustrievereinigung „CropLife“ sind kurz vor Fertigstellung des Berichts aus dem Projekt ausgestiegen, weil sie die gezogenen Schlussfolgerungen nicht mittragen wollten.

Die Kernaussage des Berichts lautet: Nicht die intensive, industrielle und auf die Weltmärkte ausgerichtete Landwirtschaft kann die Ernährung von bald neun Milliarden Menschen sichern, sondern eine moderne bäuerliche Landwirtschaft. Speziell die Agrogentechnik könne keinen relevanten Beitrag zur Welternährung leisten. Stattdessen wird eine Fokussierung auf kleinbäuerliche Strukturen als Rückgrat der lokalen Ernährungssouveränität empfohlen.

Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind 842 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Jedes Jahr sterben mehr Menschen an den Folgen von Hunger und Unterernährung als an HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Gleichzeitig leiden über 2 Milliarden Menschen an dem sogenannten verborgenen Hunger, der chronischen Mangelversorgung mit lebenswichtigen Mikronährstoffen, weil sie zwar eine theoretisch ausreichende Menge an Kalorien aufnehmen, ihre Ernährung aber zu einseitig auf wenige Grundnahrungsmittel ausgerichtet ist. Besonders für Kinder ist die Kombination aus Mangel- und Fehlernährung gefährlich: Denn sie führt zu lebenslangen geistigen und körperlichen Einschränkungen. Die Erkenntnisse des Weltagrarberichts werden auch durch die Empfehlungen des Büros für Technikfolgenabschätzung im TAB-Arbeitsbericht Nr. 142 „Forschung zur Lösung des Welternährungsproblems“ unterstützt.



Weiterführende Links:


Lesen Sie hier den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „Weltagrarbericht jetzt unterzeichnen“ (18/979)