Anerkennung des deutschen Genozids an den Herero und Nama längst überfällig


08.07.2016
Am 2. Juni 2016 beschloss der Bundestag auf Initiative der Grünen den Genozid an den Armeniern anzuerkennen. Ein wichtiger, längst überfälliger Schritt. Im Anschluss entbrannte eine Debatte darüber, ob eine solche Anerkennung auch im Falle des Völkermords an den Herero und Nama erfolgen könne.

Zuletzt hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung 2012 den Antrag der damaligen Oppositionsparteien GRÜNE, SPD und LINKE blockiert.

Uwe Kekeritz findet vor diesem Hintergrund deutliche Worte: „Dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte bedarf einer Stellungnahme des Bundestags, ohne Wenn und Aber.“ Die deutsch-namibischen Regierungsverhandlungen sind wichtig und richtig, aber reichen nicht aus. Ich wünsche mir einen fraktionsübergreifender Antrag im Bundestag. Ein Signal an die Bundesregierung und an die ganze Welt, dass sich die Bundesrepublik nicht vor der historischen Verantwortung drücken.“

Während der Holocaust und die Massenvernichtung von Millionen von Menschen während des Zweiten Weltkriegs über Jahrzehnte hinweg aufgearbeitet wurden und das deutsche Geschichtsverständnis bis heute prägen, hat man die gewalttätige deutsche Kolonialgeschichte in Deutsch-Südwestafrika, bislang verdrängt. Dabei wurden im damaligen Deutsch-Südwestafrika die Grundlagen für die Rassentheorie, Pseudoexperimentelle Versuche an Menschen und der Idee der Konzentrationslager gelegt.

Die deutschen Truppen hatten zwischen  1904 bis 1908 einen Genozid verübt bei dem sie Zehntausende Herero und Nama ermordeten: Durch Erschießen, Vertreibung in die Wüste bei gleichzeitiger Absperrung von Wasserzugängen und der Zwangsarbeit in Konzentrationslagern. Dabei ist laut UN- Völkermordkonvention der Tatbestand des Völkermords nicht nur bei direkter Tötung erfüllt, sondern auch durch die „vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen“ (Artikel II c UN-Völermordkonvetion). Ausgegangen war der Genozid der deutschen Schutztruppen als Racheaktion und Niederschlag des Aufstands der Herero und Nama, die sich gegen die deutschen Siedler zu Wehr setzen wollten, da ihnen durch Landraub, der Einschleppung von Krankheiten und der Versperrung von Quellen jegliche Lebensgrundlage genommen worden war.